la vida bonita

Nach einer entspannten Nacht und einem letzten Ritt auf den Französischen Wellen machten wir uns auf den Weg über die Grenze nach Spanien. Die letzten Tage wurde eifrig überlegt ob wir die Pyrinäen im Innland überqueren sollten oder doch lieber die nördliche Steilküste anfahren sollten. Schliesslich trafen wir eine Entscheidung und wollten gleich den nächsten Ausläufer der Bergkette anfahren wenn wir die Grenze überschreiten.

In Spanien angekommen wurden wir im ersten Kisok beim Zigaretteneinkauf mit einem „hola chicos, que tal“, begrüsst und fühlten uns sofort heimisch die gewohnte Sprache zu hören oder doch nicht? – Markus versteht sowieso nicht die Welt und für ihn hört sich alles spanisch an und Janina musste feststellen dass sich die Dialekte sehr unterschiedlich anhörten. (Wobei wir gelernt haben dass es keine Dialekte gibt. Galizisch zum Beisiel ist eine eigene Sprache ☝️)

Unsere erste Nacht verbrachten wir schliesslich auf einem der Berge und liessen den Abend mit einem laaangen Spaziergang über die Felder zum Meer hin ausklingen. Pferde weiden dort frei in großen Herden an den Klippen und die Weite ist gigantisch.

Obwohl sich so mancher Grenzübergang vegitationsmässig nicht sonderlich von dem vorherigen Land unterschied, war dies hier zwischen Frankreich und Spanien anders. Da wir die flachen Weststrände Frankreichs hinter uns gelassen hatten und uns jetzt auf der nördlich ausgerichteten Küste befanden, bot sich uns eine mystische und zugleich einzigartige Natur.

Die Steppen und Dünen wichen kleinen Wäldern und Flüsse. Die weissen Sandstrände wurden ersetzt durch rötlich-braune Felsen an denen sich die Pflanzenwelt festklammerte und dem Wetter trotzte.

Immer weiter hinein in das Spanische Festland zog uns unsere Route und ein wenig erinnerte und diese Einsamkeit auf den Klippen an Skandinavien, nur eindeutig wärmer. Doch der Regen ließ nicht lange auf sich warten, sowie auch der Wind nicht, so kam es auch vor das nachts und auch tagsüber der Himmel seine Pforten öffnete und stellenweise gefühlte 1000 Liter Wasser auf den Quadratmeter schüttete. 🌧🌪🌫

Alles nicht so schlimm, wenn es sich dieses Schauspiel nicht täglich wiederholen würde. Der Herbst nahm Einzug in das Land, dies spürte man an den wenigen Sonnenstunden und der kühler werdenden Luft.

In einem Örtchen in Kantabrien, waren wir tagsüber bei schönstem Wetter unterwegs und surfen und mitten in der Nacht mussten wir Schutz zwischen den Maisfeldern suchen um nicht von der Klippe geweht zu werden. Ohne Witz! So heftig war der Sturm, der mit aller Kraft vom Meer her gegen den Bus peitschte.

Die Küste gab immer wieder kleine Strände frei welche zum verweilen einluden, was wir auch gerne bei schönem Wetter annahmen.

Doch irgendwie dominierte leider der Regen das tägliche Bild dieser Gegend. Für die Natur war dies ohne Zweifel ein Geschenk da man die Trockenheit des Sommers sehen konnte.

Auch weiter im Landesinneren, bot sich uns ein Ausmaß des trockenen Sommers:

Nachdem wir mit dem Schrödi das Gebirge „Picos de Europa“ bezwungen hatten. Welches immerhin 1000 Meter hoch ist und ein spektakuläres Panorma bietet, steuerten wir weiter talwärts einen Fluss an um dort zu rasten.

Das Navi, Google-Maps und unsere Straßenkarte hatten diesen breiten Fluss verzeichnet. Dort angekommen, war allerdings nichts als ein getrocknetes Flussbett auszumachen, in dem einige Kuhherden gemütlich grasten. Crazy….

Die kleinen Orte waren es, welche diese Gegend so einzigartig machten. Uralte kleine Dörfer säumten die Strasse, die abseits von grossen Städten diese Landschaft fleckenhaft belebten. Überall traf man Pilger auf ihrem beschwerlichen Weg Richtung „gelobte Stadt“.

Eines dieser Dörfchen welches unbedingt besucht werden muss ist Potes. Eingebettet zwischen steilen Bergstrassen welche niemals ein Ende nehmen wollen liegt es vollkommen einsam und inmitten einer traumhaften Kulisse. Warum es dort entstanden ist kann man nur vermuten, aber der kleine Fluss welcher durch den von Jahrhunderten alten Mauern gelenkt wird, ist sicherlich ein Grund. Und eben dieser lässt dieses,in Terrassen angelegte Dorf, zum Leben erwecken.

Die Gäschen sind gesäumt von kleinen Bars und Restaurants die man unbedingt sehen muss und auch das dort typische Getränk Cidre lohnt sich allemal. Eine kleine Tapasbar, versteckt in den Gassen, hat auch uns zum Verweilen eingeladen und wohl gestärkt haben wir wieder mal einen super Schlafplatz inmitten der Grünen Natur gefunden.

Bei einem kurzen Abstecher ins Landesinnere haben wir die Berge hinter uns gelassen und waren froh nicht von dieser Seite den Bus hoch auf 1500 Meter der Höhe getrieben zu haben. Unser Platz für die Nacht inmitten dieser Berge, war der Inbegriff von Einsamkeit.

Der Schrödi kuschelte sich zum Schutz gegen den Wind zwischen zwei Bergipfeln, auf denen lediglich einige blökende Schafherden mit ihren Hütehunden umherzogen. Die braven Hunde wichen ihrer Herde auch nicht von der Seite.

Janina kraxelte mit der Gipsy auf den Gipfel des Berges um sich einen kleinen landschaftlichen Überblick zu verschaffen und ein paar Fotos zu schießen.  Ganz oben entdeckte sie ein Meer aus diesen kleinen Blümchen.  Wir haben auch auf anderen Bergen diese, für uns seltene, Pflanzenart angetroffen. Später in Galizien, erklärte uns Alejo, dass diese Pflanzen seltsamerweise nur da wachsen, wo Menschen den Wein ausleeren.  Also praktisch werden dort Feste gefeiert und danach gedeiht diese Blume..   ob wir das glauben können!? 😉

Gen Abend schlichen zottelige schwarze Schatten in einigen hundert Metern Entfernung umher. Wahrscheinlich Hunde welche, wegen Alter, Krankheit oder was auch immer, aussortiert wurden. Menschen können so grausam sein. Jedenfalls war Janina wieder crazy in love und versuchte die sehr zurückhaltenden Hunde anzulocken um sie ein wenig zu füttern. Bei dem kräftigeren Rüden gelang ihr das auch nach einer Weile und nach einer gefühlten Ewigkeit ließ er sich sogar von ihr streicheln. Den Wassereimer durften wir 5x nachfüllen, so durstig waren die Riesen. Ja.. . Janina hatte nicht die Konsequenzen der neuen Freundschaft abgewogen. Das Rudel blieb die ganze Nacht bei uns und heulte munter den Vollmond an. Schlafen war nicht soo…

Da es mal wieder an der Zeit war eine Wachmaschine aufzusuchen, steuerten wir einen Campingplatz etwas abseits des Dorfes Cudillero an. Janina fühlte sich die Tage nicht so gut da das regnerische Wetter ihrer Nase ein wenig zugesetzt hatte und es auch mal wieder Zeit war unsere und dem Schrödi seine Batterien aufzuladen. Unsere mit ausgiebigen, ultraheißen Duschgängen und Schrödi gab sich mit dem Stromnetz zufrieden. ( Keine Sonne auch kein Solarstrom…)

Die Waschmaschine tat ihre Arbeit und wir widmeten uns einem Serienmarathon mit HIMYM und TBBT. Man gönnt sich ja sonst nichts…. Da der Campingplatz leider keine Kartenzahlung akzeptierte und wir kein Bargeld mehr hatten begab Markus sich noch auf einen Spaziergang mit Gipsy um einen ATM in dem kleinen Dorf zu finden und etwas Bargeld zu beheben. Nach einem schönen Spaziergang und der Suche eines Geldautomaten kam Markus nach ner guten Stunde wieder zum Platz und berichtete von dem schönen Dorf welches wir dann vor unserer Abreise zu dritt nochmal aufsuchten.

Das Fischerdorf quetschte sich förmlich mit vielen kleinen Häusschen auf die freie Fläche zwischen Meer und Hausberg und man konnte von der einen Terrasse der Anwohner auf die nächste sehen. Wenn man auf dem Ausichtspunkt in der Mitte stand hatte man einen traumhaften Ausblick über die Dächer und den Hafen. Wir stärkten uns in einer Hafenbar und fuhren mit dem Taxi, da es mal wieder wie aus Eimern goss, zurück auf den Campingplatz.

Den Nordwestlichen Teil kürzten wir ein wenig durchs Inland ab um dann bei Lèon vorbei in Richtung Santiago de Compostela weiter zu fahren. Lèon ist eine grössere Stadt welche einen alten geschichtsträchtigen Stadtkern vorzuweisen hat. Kurzerhand wurde dieser besichtigt und wir ließen die alten Gebäude auf uns wirken.

Nach einem kurzen Abstecher zur Küste waren wir jetzt in Galizien, den unserer Meinung nach, schönsten Teil des Spanischen Festlandes. Felsige Küsten durchbrochen von langen einsamen Stränden lockten, neben den Pilgerern welche überall ihre Route in Richtung der heiligen Stadt suchten, auch andere Vans und Mobile Homes an, um die Natur und die Landschaft zu geniessen. Leider hatten wir auch diesmal kein Glück mit dem Wetter und es regnete immer wieder und das auch nicht zu knapp, was uns dann nach einigen Tagen auch auf die Letzte Etappe der Pilger brachte. Santiago.

Im Umland von Santiago machten wir endlich Nägel mit Köpfen und gingen unserem mehrwöchigen starken Wunsch nach unseren Rücken endlich zu entlasten. In Form eines Toppers. Janina quengelt schon lange rum und klagt über Rückenweh und endlich war es soweit. Nach knapp 100 Nächten kann man sich ja auch mal was gönnen. Leichter gesagt als getan den auch in Galizien wird ein anderes spanisch gesprochen und mit englisch kommt man gar nicht weiter. Geschweige denn, dass die Läden die Teile auf Lager hatten. So kam es das wir in der Stadt umherirrten um irgendwo einen Topper zu finden. Von Laden zu laden fuhren wir.

Irgendwann kam der Zeitpunkt das unser alter Herr Schrödinger meinte sein Kühlwasser nicht mehr in den dafür vorgesehenen Ausgleichsbehälter zu entleeren sondern diesen einfach durch den Schraubverschluss des Thermofühlers entweichen zu lassen, was eine kleine weiße Wasserdampfwolke zur Folge hatte, welche sich ihren Weg durch die Lüftungsschlitze bahnte. Auf der verzweifelten Suche eine kleine Parklücke in der verkehrsüberlateten Stadt zu finden fuhren wir einige Meter weiter einfach in die nächstbeste Einfahrt und parkten unseren Bus vor einem Gebäude mit der Aufschrift Seguridad. Wir wussten nicht wo wir hier gelandet waren doch als zwei sichtlich nervöse Polizisten sich uns vorsichtig näherten und fragten was wir hier wollen erklärten wir unsere Lage. Sie schienen dann etwas zu entspannen und wir erfuhren dann auch den Grund ihrer Vorsicht. Wir sind auf dem gesicherten Eingangsbereich der Parlaments von Galizien gelandet. Zum Glück ließen uns diese netten Herren den Motor ein wenig abkühlen und unsere Fahrt konnte fortgesetzt werden. Schliesslich fanden wir noch einen Topper und auch zwei neue Gesundheitskissen und wir freuten uns auf die kommende Nacht in unserem „neuen“ Bett.

Die Tage darauf fanden wir auch den Fehler in unserem Kühlsystem: ein kleines irgendwas von irgendwo hat sich in dem Membran des Verschlusses verfangen und das Wasser konnte nicht mehr in den Ausgleichsbehälter entweichen. Zum Glück war da nichts gröberes und die Sache schnell repariert.

Nachdem wir Santiago hinter uns gelassen hatten und wir wieder unseren Weg an die Küste bahnten, fanden wir durch Zufall einen Ort welcher die gigantischen Kräfte der Eiszeiten widerspiegelte. Riesige Findlinge türmten sich in bizarren Formationen aufeinander und man konnte nur erahnen welche Kräfte dabei mitgespielt haben müssen um diese Kulisse zu gestalten. Und wie so oft auf unserer Reise, wurde mal wieder sehr deutlich,wie klein man als Erdbewohner eigentlich ist und welche Macht die Natur in diesem Universum hat. Zurück an der Küste haben wir einen Platz in der Nähe eines Leuchtturms gefunden und uns den schönen Sonnenuntergang angesehen. Die Fischer gingen ihrer Arbeit nach und harpunierten im Wasser oder versuchten die Muscheln bei der eintretenden Ebbe von den Felsen zu sammeln. Als es dann Nacht wurde und wir noch den Sternenhimmel beobachteten kam ein Helikopter mit riesigen Suchscheinwerfern auf uns zu. Noch dazu sah man an der Küste weiter unten eine Taschenlampe einen Bereich absuchen. Wir wussten natürlich nicht was sich da abspielte und somit war es noch unheimlicher als dieser besagte Heli über uns anhielt und den Bereich um uns mit seinen drei Scheinwerfern, die wild herumschwenkten erhellte. Als er abdrehte konnten wir beobachten dass er einen kleinen Felsabschnitt etwas der Küste vorgelagert genauer absuchte, doch der Grund dafür hatte sich uns bis dato noch nicht erschlossen. Am nächsten Tag waren wieder viele Muschelsammler auf dieser Klippe unterwegs um ihrem täglichem Geschäft nachzugehen, so als sei nichts gewesen.

Wir entschlossen uns weiterzufahren um Alejo, den wir von Fuerte kennen, einen Besuch abzustatten. Alejo begrüsste uns in dem Elterlichen Haus, in dem kleinen Örtchen la Guarda, welches am Meer direkt an der Grenze zu Portugal liegt. Nach dem Herzlichen Empfang bei ihm zuhause und Kaffee und selbstgemachten Plätzchen, bekamen wir endlich ein Antwort auf die mysteriöse Nacht. Alejos Mama erklärte uns, das es leider erschreckend häufig dazu kommt, dass die emsigen Muschelsammler sich auf den rutschigen Felsen nicht halten können, ins Meer stürzen und für immer verschwinden. Grauenvoll. Das erklärt auch dass einsame Paar Schuhe, die am späten Abend noch dort standen… ☹

Nach der traurigen Erkenntnis, genossen wir die private Sightseeing Tour durch die gewunden Gassen des Städtchens und dem Hafen sowie dem Hausberg, auf dem noch einige alte Keltische Gebäudereste zu finden waren. Im Zuge unseres Aufenthaltes und den Kontakten von Alejo konnten wir Herrn Schrödinger auch einen Ölwechsel sowie einen neuen Benzinfilter gönnen. Gipsy bekam auch mal wieder die Gelegenheit den Tierarzt zu besuchen und so haben wir nach einem guten Tapas Essen im Hafen bei Sonnenuntergangsstimmung unsere Reise nach Portugal fortgesetzt.

Leider verhält es sich mit Spanien, ähnlich wie mit Frankreich.  Vom ganzen „Welt entdecken “ vergaßen wir völlig die Zeit und kamen mal wieder nicht dazu alle besuchten Orte ordnungsgemäß zu notieren und unsere Erlebnisse in Wort und Schrift festzuhalten. Deswegen fehlen leider wieder allerhand tolle Orte, Erebnisse und besuchte Sehenswürdigkeiten.. Shame on us 😉

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