Inland explores

Wir sind absolute Küstenkinder. Markus vielleicht nicht ganz so extrem wie ich. Dennoch lieben wir beide das Meer und wünschen uns später mal in der Nähe dieses Elements sesshaft zu werden. Aus diesem Grund sind wir schon seit Monaten an der Küste unterwegs.

Zwar gab es ab und an auch kleinere Abstecher ins Inland, aber im großen und ganzen führt unsere nicht geplante Route seit dem Nordkap auf dem Küstenweg gen Süden. Mittlerweile sind es sogar schon über zwei Monate die wir in Portugal am Meer verbringen. Manch einer weiß, dass wir eigentlich nicht vorhatten so viel Zeit in Portugal zu verbringen. Das Problem an der ganzen Sache ist jedoch dass wir uns wahnsinnig wohl hier fühlen. Es ist so wunderschön hier, vor allem die Westalgarve hat es uns ganz furchtbar angetan. So sehr dass wir wirklich darüber nachdenken irgendwann mal ganz hier zu bleiben (das ist aber mal wieder eine andere Geschichte, dazu bald mehr). Wir haben hier schon viele tolle Menschen kennengelernt, wundervolle Orte entdeckt und kennen uns inzwischen super aus.

Dadurch dass wir uns hier schon fast „heimisch“ fühlen, wollten wir dem unentdeckten Inland auch eine Chance geben. Neugierig verließen wir also die gewohnte Umgebung, auf zu neuen Pfaden! Sooo viel hört man wirklich noch nicht vom Inland, ursprünglich soll es sein, noch nicht erschlossen. Da wir uns mal wieder überhaupt nicht informiert hatten und Recherche eh nicht unser Ding ist, fuhren wir erstmal Richtung Monchique (das Örtchen ist in unserem Straßenatlas angeblich einen Besuch wert.)

Mochique ist also der größte Ort, innerhalb des Gebierges Serra de Monchique. Wir haben festgestellt dass der Ort ein hervorragender Ausgangspunkt ist, um das Gebierge und alles drumherum zu erkunden. Der Weg hoch zu dem Dorf, beziehungsweise ist es dann doch eher eine Kleinstadt, ist wunderschön. Eine kleine Straße kringelt sich durch die Berge, auf der rechten Seite sieht man immer mal wieder den Atlantik aufblitzen. Dadurch dass wir ziemlich spät von unserem Ausgangspunkt in Ingrina, am Meer, losgefahren sind, schafften wir es lediglich eine Kleinigkeit in einer kleinen Taberna zu essen und mussten uns dann schleunigst einen Platz für die Nacht suchen. Wir hassen die Winterzeit! Auch in Portugal ist die Devise: dunkel = kalt. Ziemlich Ätzend!

Geschlafen haben wir dann letzendlich am Waldrand auf einem ganz alten Bolzplatz. War bis auf das nächtliche Gebell von gefühlt 30 Hunden auch voll in Ordnung.

Am nächsten Morgen fuhren wir auf den höchsten Berg der Algarve, der Fóia mit seinen stolzen 902 MüM. Man sagt, dass hier im Winter sogar Schnee liegt…. die Aussicht ist sagenhaft.

Es war zum Glück, ein sehr klarer Morgen und wir konnten fast uneingeschränkt zweihundert Kilometer Küstenlinie der Südalgarve bestaunen. Wundervoll, aber Wahnsinnig stürmisch da oben auf dem Gipfel.

Dort oben auf den Gipfel des Berges entdeckten wir den winzigsten Baum der Welt. Störrisch trotzt er hoch oben schon so viele Jahre dem Wetter, völlig auf sich allein gestellt. Ziemlich beeindruckend ☺

Da ich unbedingt wandern gehen wollte und irgendjemand mir irgendwann mal von heißen Quellen erzählt hatte, beschlossen wir diese zu suchen. Logischerweise erstmal via Google, was sich aber schon als eher schwierig gestaltete. Irgendwann fanden wir dann doch einen Hinweis und zwar in dem Ort Caldas de Monchique soll es diese Quellen geben.

Das Dorf ist wie sich herausstellte nichts anderes als ein Hotelkomplex bestehend aus mehreren Gebäuden. Wie schon gesagt, Recherche ist nicht so unser Ding… der Typi von eines der vielen Cafès, die auch alle zu dem Hotel gehören, klärte uns auf: ja hier sind die heißen Quellen, da wurde aber der Spabereich des Hotels draufgestellt und ohne den Eintritt zu bezahlen, kann man sie demnach auch nicht mehr nutzen. Ziemlich frech. Ziemlich enttäuschend. Frustriert stapften wir, nahe des Hotels noch ein wenig durch die Gegend, was uns aber auch nicht so sehr befriedigte.

Als Zeichen unserer Rebellion, klauten wir aus dem Hotelgarten noch Orangen und begaben uns wieder zum Schrödi.

Markus stöberte noch etwas im Netz und fand sogar einen ziemlich alten Hinweis, dass es nicht weit unseres Standortes früher (gaaaaanz früher) mal eine Art Badehaus gab. Angeblich soll dieses Haus mitten in der Wildnis stehen und aber schon seit Jahren nicht mehr genutzt werden. Alles ziemlich schwammig. Aber egal. Im schlimmsten Fall wird es nur eine Wanderung durch die Berge.

Es war dann noch ein Akt den ungefähren Standort dieses Gebäudes herauszufinden. Auf gut Glück befolgten wir die Route von jemanden, der diese schriftlich vor ein paar Jahren ins Internet gestellt hatte.

Halleluja. Das war ein Weg. Der geteerte Abschnitt verabschiedete sich ziemlich bald von uns und wir wackelten über eine staubige, schmale Piste durch die Berge. Irgendwann wurde diese Piste so abfallend, dass ich ausstieg um nachzusehen ob ein paar Serpentinen weiter unten eine Möglichkeit zum Wenden existiert.

Es gab natürlich keine. Aber es war auch schon zu spät. Beim Versuch rückwärts das steile Stück wieder hochzufahren, drehte Schrödi durch und rutschte noch weiter ab.

Nach ein paar kläglichen Versuchen ihn doch irgendwie raufzutreiben, gab Markus auf und sah keine Möglichkeit als bis ganz nach unten zu fahren. Unten angekommen, wurde Herr Schrödinger gewendet und mit einer Menge Anlauf den ganzen Weg nach oben manövriert. Wow das war ein Spektakel. Mutig blieb Markus die ganze Zeit am Gas. Die Straße war super schmal, mit Schlaglöchern übersät und auf der rechten Seite sahen wir immer beunruhigenderweise den Abgrund. Lange Rede kurzer Sinn, we made it 💪

Schrödi also oben geparkt und wir packten unser Proviant ein und machten uns auf den Weg durch die Widnis. Wanderweg absolute Fehlanzeige. Wir kämpften uns bergauf ubd bergab durchs tiefste Dickicht. Vorbei an Flüssen, Schluchten und geheimnisvollen Pflanzen. Der krasseste Kontrast im Vergleich zur Küste ist wahrlich das satte Grün. Die Landschaft wunderschön und mystisch.

Ganze drei Stunden wanderten wir so durch die Gegend, ohne zu wissen ob wir überhaupt zu einem existierenden Ziel kommen werden.

Aber tatsächlich entdeckten wir von einer Anhöhe ein einfallendes Dach, weit unten im Tal, eingebettet von Natur. Eigentlich schon eher komplett eingenommen von der Natur. Zurückerobert.

Diese Ruine war erstaunlicherweise wirklich mal eine Art Badehaus. Und obwohl alles schon ziemlich verfallen war, lieferte die heiße Quelle noch immer sauberes Wasser und speiste die kleinen Becken . Unfassbar irgendwie. Zwar war das Wasser nicht super heiß, aber total wohltuend. Dieses zerfallende Haus war trotz dieser Besonderheit ziemlich gespenstisch. Unzählige Kerzen standen herum, alte Schriften lagen herum und es stand eine Art Altar in einem der winzigen Räume.

Fakt ist allerdings, dass wir mit dem Ziel aufgestanden sind heute wandern zu gehen und eine heiße Quelle zu finden. Ziel erfüllt.

Natürlich gab es einen anderen Weg zurück zum Schrödi. Und selbstverständlich war dieser Weg ein richtiger Weg und auch viel kürzer . Wie sollte es auch anders sein ?! 😆

Nach einer (anstatt drei) Stunden war Schrödi endlich wieder in Sichtweite und wir haben uns schon lange nicht mehr so gefreut ihn wieder zu sehen.

Der arme Schrödi musste dann wieder den ganzen Staubigen Weg zurückholpern. An dieser Stelle müssen wir nochmal unsere tiefste Liebe ihm gegenüber aussprechen. Was der Schrödi schon alles ausgehalten und mitgemacht hat ist wirklich absolut unglaublich! Kleiner Hulk☺

Diese Nacht verbrachten wir an einer Art Stausee, den wir vorher am Berg schon gesichtet hatten. Obwohl die Sonne gerade erst am untergehen war, schafften wir es es nur ein Brot zu essen und vielen dann ziemlich erschöpft ins Bett.

Fazit: wir kommen aufjedenfall wieder und planen das Inland noch mehr zu erkunden. Die staubigen Landstraßen, die Unerschlossenheit und die völlige Abgeschiedenheit vom Tourismus machen es sehr spannend und abenteuerlich!

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